Samstag, 16. Oktober 2010

Auf der Suche nach deutschen Lebensmitteln

Peking mag zwar eine Hauptstadt sein mit einer großen westlichen Community, wohnt man aber in Fangzhuang gestaltet sich die Suche nach etwas Essen, was unserem in Deutschland entspricht, als schwierig (Wieso trinkt man in Berlin am liebsten den ganzen Tag grünen Tee und geht asiatisch essen und kaum ist man hier will man Kartoffeln, Früchtetee und Schwarzbrot?).
Besonders mit dem Frühstück kann man sich hier schwer anfreunden. Die Chinesen essen morgens nämlich mit Fleisch gefüllt warme Klöße (Bauzi)- klingt zwar deutsch, gibt es aber leider zur falschen Tageszeit. Inzwischen haben wir eine französisch-chinesische Bäckerei gefunden, die ein leckeres dunkles Toastbrot backt. Auch „German Bread“ ist hier erhältlich, aber kann mal jemand den Chinesen sagen, dass wir unser Vollkornbrot in Deutschland nicht mit einer Tasse Zucker und Rosinen backen? Und dann haben wir noch Jenny Lou’s entdeckt- einen Supermarkt, den man findet, wenn man Langnasen auf der Straße auf ihrem Nachhauseweg von der Arbeit folgt.  Da kommt man in einem Supermarkt voller Spreewaldgurken, Hipp-Babygläschen und Milka-Schokoladen, was aber seinen Preis hat. Dennoch haben wir was gekauft (z.B. Früchtetee für umgerechnet 4 Euro, Spaghetti für 2 Euro, Pastasoße für 3 Euro). Leider verfügen wir zuhause nur über 2 Kuchengabeln, 2 Teelöffel und Essstäbchen, weshalb das große anschließende Spaghettiessen doch unerwartet  schwierig wurde. 

Mysteriöse Teekanne


Diese schwebende Teekanne vor einem Teegeschäft wurde von einer Menge staunender Chinesen umringt. 

Geschäfte auf dem Platz des Himmlischen Friedens

Chinesische Kinder machen ihr Geschäft überall. Ständig sieht man sie sich hinhocken, ob über Gullis und einfach am Straßenrand und los geht’s (mit oder ohne praktischer Kackschlitzhose). Selbst berühmte fast heilige Plätze wie der Platz des Himmlischen Friedens hindern Eltern und Kind nicht daran es auch hier zu tun (quasi unter Maos strengem Blick).

Wochenendbeschäftigungen für chinesische Kinder



Wir haben einen Park entdeckt, der voll von chinesischen Kleinfamilien ist. Die Kinder sitzen allesamt im Park verteilt und malen unter Anleitung der Eltern den Tempel, die Brücke oder die Bäume. Ob sie das wollten oder gezwungen wurden, war nicht ersichtlich. Schon beim Himmelstempel haben wir ähnliches beobachtet. Hier hatte eine Mutter ihren Sohn inmitten der Menschenmassen der Nationalfeiertage auf eine Decke vor den Himmelstempel zum Abmalen gesetzt. Möglicherweise auch um den anderen Chinesen zu zeigen, dass sie in der Lage ist sich mehrere Kästen von Faber-Castell Stiften zu leisten, denn Chinesen zeigen besonders gerne über Marken, dass sie es "geschafft" haben. 


Dienstag, 12. Oktober 2010

Bus fahren

...koennen wir inzwischen auch, obwohl das fuer westliche Menschen eine grosse Herausforderung ist (nicht nur wegen der Ueberfuellung und der fehlenden Beinfreiheit), da die Stationen auf den Fahrplaenen alle in Zeichen geschrieben sind. Dank Yang sind mir jetzt in der Lage mit den Bussen 37, 800 und 3 zu fahren. Besonders der Bus Nr. 3 ist ein sehr lustiger Bus, denn er garantiert angeblich allen Fahrgaesten einen Sitzplatz, weswegen er auch etwas teurer ist. (Funktioniert aber in der Praxis nicht. Jeder, der den chinesischen Berufsverkehr mal erlebt hat, kann darueber nur lachen.)

Auch ansonsten ist das Busfahren hier etwas anders als in Deutschland. Bevor der Bus kommt, sucht man die Nummer seines Busses auf dem Boden (diese sind dort mit weißer Farbe aufgemalt und durch Striche von den anderen Nummern, die dort halten, getrennt). Hat man seine Nummer gefunden, stellt man sich gleich mitten drauf oder hinten an die Menschenschlange an, die sich dort gebildet hat. Kommt der Bus ist alle Ordnung sofort zunichte denn alle stürmen, egal ob sie vorne oder hinten in der Schlange gestanden haben, in den Bus und der schnellste gewinnt.  



Im Bus sitzt weiter hinten eine weitere Person, die dafuer zustaendig ist Fahrkarten zu verkaufen, die Fahrgaeste beim Ein- udn Aussteigen anzuschreien und - in meine Augen voellig sinnentleert- bei jedem Einfahren des Busses an eine Haltestelle eine rote Fahne aus dem Fenster zu haengen. Bei der Abfahrt wird dieselbe Fahne dann aus dem gegenueberliegenden Fenster gehalten und soll dem Strassenverkehr scheinbar anzeigen, dass der Bus jetzt gleich auf die Fahrspur wechseln wird, was voellig unnoetig ist, da sich im Pekinger Strassenverkehr niemand dafuer auch nur ansatzweise interessiert, einen Fahrspurwechsel anzuzeigen (und wenn ueberhaupt dann nur mit Hupe) oder ein Auto freiweillig auf die eigene Spur vorzulassen. 







Inkognito in Peking

Wie bereits geschrieben ist gerade sehr schoenes Wetter und da bietet es sich sofort an, die Sonnenbrille aufzusetzen, um sich inkognito in Peking bewegen zu koennen (geht aber nur mit braunen oder schwarzen glatten Haaren und bis zu einer gewissen Koerpergroesse). Kaum hat man eine Sonnenbrille auf, ist man Chinesin. Man wird ploetzlich nicht mehr beobachtet und angestarrt und bekommt sogar die Flyer von Restaurants in die Hand gedrueckt, die Europaern von den Flyerverteilern sonst immer vorenthalten werden. Auch die Kartenverkaeuferin im Bus, die einen sonst schon immer argwoehnisch beim Einsteigen anschaut (irgendetwas wird der westliche  Mensch ja sicher falsch machen und man muss es ihm dann wieder mit Haenden und Fuessen erklaeren) nimmt keine weitere Notiz von einem.

Allerdings habe ich inzwischen gelernt, dass es ein paar Sachen zu beachten gilt, um nicht doch "unangenehm westlich" aufzufallen trotz Sonnenbrillentarnung. Beim ersten Ausflug mit Sonnenbrille, habe ich mich gleich mal neben den Landarbeiter aufs Maeuerchen in die Sonne gesetzt, um auf den Bus zu warten und dabei gleich zwei Dinge falsch gemacht. 1. eine Stadtchinesin setzt sich niemals einfach so auf irgendwelche Maeuerchen. Sie legt wenn ueberhaupt vorher ein Taschentuch oder eine Tuete dort hin, auf die sie sich setzen wird. (Verstehe ich immer noch nicht, denn andererseits gehen sie auf die verdrecktesten stinkenden Stehtoiletten, die ich jemals gesehen habe.) 2. Eine Chinesin setzt sich niemals einfach so in die Sonne. Das Schoenheitsideal ist hier eine weisse Haut, weswegen auch sogenannte Whitener das meistverkaufte Schoenheitsprodukt in China sind. (Selbst unser Mitbewohner hatte eine solche Creme, gilt also auch fuer Maenner.) 

Man stellt sich also besser in den Schatten, tippt wild auf seinem Handy rum (oder brüllt die ganze Zeit "wei wei wei" in sein Telefon) und traegt am besten T-Shirts, auf denen irgendein niedliches Tier, Monster etc. mit grossen Augen ist (hauptsache etwas, was einen anguckt).

Smog reloaded

An diesem Wochenende war es nicht moeglich weiter als 200 Meter zu sehen. Nur die Hochhaeuser gegenuerber waren zu erkennen, jedoch sah man wieder durch den Dunst, dass eigentlich die Sonne schien. Am Samstagabend haben einem die Augen richtig gebrannt, wenn man laenger draussen war. Die Zahl der Menschen mit OP-Maske auf den Strassen ist in den Tagen deutlich gestiegen und Chrisi schlug vor, wir sollen uns vielleicht auch mal solche Masken kaufen.
Letzte Nacht ist dann der ganze Smog runtergeregnet und heute morgen sah man einen strahlend blauen Himmel (der sicher auch schon in den letzten Tagen zu sehen gewesen ist, waeren wir nicht in Peking).


Das Thema Smog scheint hier ein weiteres oeffentliches Tabuthema zu sein. Bei etwas Internetrecherchen (ueber VPN-Server natuerlich) erfaehrt man, dass die Zahlen der hier sogenannten “Tage mit blauem Himmel” regelmaessig geschoent werden. So soll es von diesen Tagen unglaubliche 245 im Jahr 2008 in Peking gegeben haben. Die deutsche Botschaft hatte wegen solcher falscher Zahlen wohl eine eigene Internetseite gelauncht, auf der serioese Wetterdaten der Stadt veroeffentlicht wurde. Diese Internetseite war dann etwas spaeter bereits nicht mehr aufrufbar. Im Internet findet man auch in einem Times-Artikel interessante Statistiken, die zeigen, dass die Anzahl der Raucher hier zwar seit jahren deutlich abnimmt, aber die Lungenkrebsrate um ein Vierfaches gestiegen ist. 

Samstag, 9. Oktober 2010

Herausforderungen auf der großen Mauer




Während der Nationalfeiertage ging es mit unserem Besuch, C.s Kollegen und weiteren Architekten aus Shanghai zu einem "untouristischen Teil der Großen Mauer" bei Jiankou. 


Zu diesem Mauerabschnitt sagt Wikipedia: 


"Der Jiankou-Abschnitt liegt zwischen den Mauerabschnitten Mutianyu – zehn Kilometer östlich – und Huanghuacheng. Sein schlechter Erhaltungszustand und die Lage auf einem von zackigen Klippen und Steilabfällen gesäumten Bergrücken machen eine Begehung gefährlich. Der Abschnitt besitzt viele malerische Stellen. Einer davon ist der „Wachturm des Hochfliegenden Adlers“, der auf dem höchsten Teil von Jiankou erbaut wurde. Die „Himmelsstufen“ sind eine weitere berühmte Stelle. Hier steigen Stufen fast senkrecht auf, so dass es schwierig ist, auf ihnen Halt zu finden." 


Leider wussten wir davon zu diesem Zeitpunkt noch nichts. Und so ging es ohne Wanderkleidung und mit Stoffschuhen ohne rutschfeste Sohlen ausgestattet mit einem Minibus früh am Morgen los. Die Mauer war an dieser Stelle in der Tat sehr spektakulär und die Wanderung für Menschen mit Höhenangst ein - nennen wir es - unvergessliches Erlebnis. Neben einer einmaligen Landschaft erwarteten uns 70 Grad-Freeclimbing, 80 Grad-verfallene-Treppen-Steigungen und Abstiege über nasse Lehmböden. Den Berg rutschte man am Ende fast nur noch runter, wobei Kat sogar einen hohen dicken (morschen) Baum fällte, was von einem Chinesen, der gerade um die Ecke kam mit einem bewunderten "Very strong!" kommentiert wurde. So sind wir Deguoren aus dem Land der Moral halt: groß und kräftig.


Wir hatten die Möglichkeit tolle Fotos zu machen. Am Ende wurden wir noch mit mehreren Regenbögen belohnt. Ich habe jetzt ein paar Fotos von Y. eingestellt, da er auch zu Zeitpunkten fotografiert hat, wo ich gefühlt gerade ums Überleben kämpfte. 

Freitag, 8. Oktober 2010