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Freitag, 10. Dezember 2010

Gan bei!

Viele Chinesen trinken nicht, sie saufen. C. ist hier zeitweise schon mittags betrunken, wenn er einen Geschäftstermin hat, denn gemeinsames Kampftrinken gehört in China genauso zu einer Konferenz mit Kunden und Auftraggebern dazu wie das Ansehen oder Halten einer Präsentation (Allerdings nicht, wenn man wie ich nur mit ausländischen Unternehmen zu tun hat). Oft werden bei diesen mittäglichen Saufgelagen erst die eigentlichen Geschäftsentscheidungen getroffen. Besonders beliebt ist hier die örtliche Pekinger Schnapsmarke Erguotou, die als günstigster und effektivster Weg ins Delirium gilt. Chinesen lieben besonders Bier, aber auch Bier hat hier oft die primäre Funktion sich damit abzuschießen. Das heißt Bier wird hier gerne gan bei getrunken, auf Ex. Wenn der Gastgeber gan bei sagt, dann gibt es kein Entkommen für seine Gäste. 
Gerade vorgestern mussten wir uns im Landgraf mit ansehen, wie chinesische Arbeitskollegen am Nachbartisch ein gutes deutsches Bier nach dem anderen (das uns hier viel zu teuer ist) in einem Zug wegkippten, um danach gleich zum nächsten Glas zu greifen (Wir reden hier von Preisen um die 5 Euro für ein kleines deutsches Bier). 
Besonders freuen sich Chinesen übrigens, wenn sie einen Deutschen, die hier als Herren des Bieres als sehr trinkfest gelten, unter den Tisch trinken können.


Sonntag, 5. Dezember 2010

Die Ufo-Frage

An unserem ersten Abend in Peking waren wir uns fast sicher ein Ufo gesehen zu haben. Hell leuchtend stand es weit oben am Himmel, zu niedrig für ein Flugzeug oder einen Stern und zu hoch für eine Leuchtreklame auf einem unsichtbaren Haus. Wir sahen solche Ufos immer wieder und hatten einfach keine Erklärung. Aber nach 3 Monaten gibt es auf die meisten Fragen Antworten. Wieso machen alte Männer hier so widerliche Geräusche? Sie ziehen die Rotze hoch, um sie dann durch ein Nasenloch rauszupusten, weil man hier keine Taschentücher benutzt. Wieso laufen Senioren klatschend durch Parks? Sie vertreiben damit böse Geister. Wieso haben manche Kinder ganz viele weiße Pflaster am Ohr? Darunter verbergen sich Reiskügelchen, deren Druck irgendwelche Akupunkturpunkte nach der chinesischen Medizin stimuliert. Und was sind die Ufo am Himmel? Rentner die Drachen mit LED Ioden steigen lassen. Und da Chinesen Spezialisten in Sachen Drachensteigen sind, haben sie so dünne leichte Schnüre entwickelt, dass ihre Drachen viele hundert Meter höher steigen können als deutsche. 


Freitag, 3. Dezember 2010

Kranksein in China

Nach 2 Wochen extremen Smog, der übrigens alle bisher existierenden Smogskalen gesprengt hat, verwundert es nicht, dass man plötzlich krank wird. (Die amerikanische Botschaft, einziger Besitzer einer unabhängigen Wetterstation in der Stadt, twitterte nur noch: "Beijing air quality is crazy bad today".)
Sobald ein Chinese krank wird, macht er "xiuxi", das heisst, er bleibt Zuhause und ruht sich aus. Dazu gibt es etwas chinesische Medizin. Diese wird hier in der Tat von vielen der westlichen Medizin vorgezogen, die zwar als schnell, aber nicht langfristig wirksam angesehen wird. Wenn es meiner Chinesischlehrerin nicht gut geht, dann isst sie zum Beispiel ein blaues Ei. Solch ein Ei hat sie immer in ihrer Handtasche und es kostet unglaubliche 500 Yuan, was ungefähr 50 Euro entspricht. Isst man das Ei, verdünnt sich das Blut und es geht einem besser, sagt sie. Y. hingegen hat eine Medizin mit Schlangenextrakt, die einem schnell wieder auf die Beine helfen soll.


Schon am beliebten Mundschutz sieht man, dass chinesische Menschen generell große Angst vor Krankheiten zu haben scheinen (besonders vor ausländischen Keimen). Wenn man hustet, dann passiert es nicht selten, dass jemand neben einem im Bus aufsteht und sich woanders hinsetzt oder Mütter ihre Kinder auf der Straße von einem wegziehen. Auf der Arbeit muss man alle 10 Minuten auf die Toilette gehen, um sich die Nase zu putzen, denn das Nasenputzgeräusch wird hier als so eklig empfunden wie bei uns öffentliches Pupsen. Nach 2 Tagen Behandlung wie eine Aussätzige und Marathonläufen zwischen Naseputzen auf der Toilette und Schreibtisch ist nun endlich Wochenende und damit auch für mich "xiuxi" angesagt.

Montag, 22. November 2010

Von Hausgrillen und Kampfgrillen







In Shanghai haben wir uns dann plötzlich hier wiedergefunden: In einem chinesischen überdachten Markt, in dem es nur Tiere zu kaufen gab und das was Tiere gerne essen (z.B. Mehlwürmer).  An fast jedem zweiten Stand gab es sehr merkwürdige Tiere zu kaufen und gerade diese Stände waren von Kindern und Massen von alten wild debattierenden Männer umringt. Grillen werden in China und in anderen asiatischen Ländern als Haustiere gehalten. Die Hausgrille der Kinder kommt in Dosen mit Löchern und zirpt dann dort drinnen rum.  Die Grillen, für die sich die alten Männer hingegen interessieren, werden bei sogenannten Grillenkämpfe eingesetzt. Die besten und größten Kampfgrillen hatten die Verkäufer in großen Dosen unter ihren Tischen gelagert. Diese wurden nur auf Anfrage herausgeholt und dann von den Männern prüfend unter die Lupe genommen.  Bei solchen Grillenkämpfen wird viel Geld eingesetzt. Daher ist es wichtig, dass die Grille  männlich, besondern groß (handgroß) und aggressiv ist. Um letzteres zu erreichen, bekommt sie vor den Kämpfen nur Krabbenfleisch zu essen und darf jeden Tag eine Grillenfrau besuchen. Neben der Grille selber kann man auch Grillenzubehör kaufen. Es gibt richtige Grillenhäuser, kunstvoll verzierte Grillentrinkschalen und kleine Fressnäpfe. Willkommen auf der anderen Seite der Welt, wo Hunde und Katzen ab und an mal gegessen werden und Grillen umsorgte Haustiere sind. 

Donnerstag, 18. November 2010

Ein paar Tischregeln

Auch beim Essen gibt es hier noch viel falsch zu machen, selbst wenn man wie wir vom Stäbchen-Beginner zum Einzelne-Erdnuss-mit-Stäbchen-Esskönner geworden ist.  Dabei handelt es sich nicht um deutsche Pseudoregeln à la wie das Besteck liegen muss, damit der Kellner sieht, dass es geschmeckt hat. Nein, diese Regeln hier werden tatsächlich von jedem befolgt und kennt man sie nicht, kann man sich mal wieder ganz schön peinlich machen.

Regel Nr. 1: Am Tisch darf nicht die Nase geputzt werden. Das findet man hier eklig. Dafür muss man auf die Toilette gehen. Und wenn man eine Erkältung hat, dann hat man eben ein Problem. Dafür ist am Tisch aber lautes Rülpsen erlaubt, denn das zeigt, dass es schmeckt.

Regel Nr. 2: Der Giesser der Teekanne zeigt immer von den Menschen am Tisch weg. Zeigt der Giesser auf die Menschen bringt das Unglück.

Regel Nr. 3: Die Stäbchen dürfen nie einfach so aus Langeweile in die Reisschüssel gesteckt werden. Denn das soll aussehen wie ein chinesisches Grab. Und das bringt Unglück.

Regel Nr. 4: Bei einem Geschäftsessen muss der Fischkopf des bestellten Fischs auf den Laoban- den Chef- zeigen. Anderenfalls bringt es Unglück.

Regel Nr. 5: Es wird sich demonstrativ auch unter Anwendung von scheinbar körperlicher Gewalt in einer Art Scheinkampf darum gestritten, wer die Rechnung bezahlen darf.

Regel Nr. 6: Der Kellner (Fuwuyuan) ist ein Untermensch und muss angeschrien werden. Bereits in der Sprachschule hier lernt man das Wort „Fuwuyuan“ nur in geschriener Aussprache.  Auch darf der Fuwuyuan von den Gästen in normalen Restaurants kaum beachtet werden. Nur Touristen sagen "Danke", wenn etwas auf den Tisch gestellt wird. Der Fuwu kann sich bestenfalls von Chinesen über ein zweimaliges Tippen auf den Tisch freuen. 

Regel Nr. 7: Es wird nicht alles aufgegessen. Das gilt besonders bei privaten Einladungen. Das zeigt nämlich dem Gastgeber, dass er zu wenig Geld hat um seine Gäste üppig zu bewirten. Ebenso sollte man nur im Notfall am Ende des Essens etwas Reis essen, denn auch das zeigt wieder, dass der noch hungrige Gast zur langweiligen billigen Sättigungsbeilage greifen muss. 


Mittwoch, 10. November 2010

Nummern


Du brauchst ein Diplom? Einen Doktortitel? Eine Aufenthaltsgenehmigung? Eine Abtreibung? Quittungen? Dann kannst Du hier anrufen. Diese hilfreichen Nummern werden ueberall auf Pekings Strassen gepinselt und genauso schnell von Ordnungshuetern wieder uebermalt.

Seltsame Aschehaufen

In einer der letzten Naechte beobachteten wir immer wieder wie Chinesen an Ecken Papier und Spielgeld anzuendeten und danach um die Aschehaufen einen Kreis malten. Was einerseits hervorragend zur guten Pekinger Luftqualitaet beitraegt, hat andererseits die Absicht den toten Ahnen Geld zu schicken-quasi per Rauchuebermittlung. Dieses Ritual wird hier unter anderem in der Nacht des Winteranfangs nach dem chinesischen Mondkalender praktiziert. 



Aberglaube

Chinesen sind ein sehr aberglaeubisch Volk. Aehnlich wie bei den Deutschen auch, gibt es gute Zahlen oder weniger gute. Die Chinesen bringen es dann aber mit den Konsequenzen aus dieser Zahlenlogik zur Perfektion. Generell gilt hier: Die 4 ist schlecht, denn sie spricht sich auf chinesisch so aus wie "Tod". Die 3 ist aus unbekannten Gruenden nicht besser. 7,8 und 9 sind Glueckszahlen. Fuer Handynummern, die viele dieser guten Zahlen enthalten, muss man daher auch mehr bezahlen und sie sind generell schwerer zu bekommen. Nummern mit vielen 4ern werden nicht gerne angerufen. In Gebaueden kommt es nicht selten vor, dass der 3. und der 4. Stock einfach fehlen, da dort niemand arbeiten moechte. Meist fehlt dann auch noch gleich das 13. und 14. Stockwerk. Ungluecklicherweise wohnen wir im 14. Stockwerk, was ja für die Chinesen wie shi si - "sind tod"- klingen muss. 




Montag, 25. Oktober 2010

Singtreffen

Chinesen, besonders die aeltere Generation, trifft sich nicht nur zum spontanen Tanzen in Parks, sondern auch zum Singen. Ein paar Senioren setzen sich mit Musikinstrumenten irgendwohin und immer mehr Passanten gesellen sich dazu und singen mit. Der Park, den wir am Wochenende besucht haben, war ein akustisches Durcheinander, denn an allen Ecken wurden andere Lieder gleichzeitig gesungen. Die juengere Generation ist auch singfanatisch, praktiziert ihr Hobby aber in sogenannten KTVs. Das sind Haueser, in denen man Karaokeraeume mieten kann wie in Japan. Die gibt es sogar in Fangzhuang. Haben gehoert, dass das hier die beliebteste Abendbeschaeftigung fuer Jugendliche und Arbeitskollegen ist, waehrend die wenigen Clubs hauptsaechlich von den westlichen Menschen hier besucht werden. 



Mittwoch, 20. Oktober 2010

Der Chinese an sich
Der Versuch einer Erklärung, die in vielen Fragen endet.




Chinesen haben doch einige Besonderheiten, die wir in den letzten Wochen festellten und nun euch in unserer geballten Fassung vorlegen möchten. 
Natürlich sind das subjektive Eindrücke und sollte je ein Chinese diesen Blog lesen - und verstehen- nehmt es mit Humor. 
Zuerst zu Äußeren: Chinesen, die hier hier in Nordchina leben sind größer als erwartet. Eigentlich nicht kleiner als die Deutschen, dennoch sind leider die Busse wohl für Südchinesen gebaut worden. 

Chinesen sind im Umgang mit Englisch sehr zögerlich, wir haben zwar gehört, dass sie dies alles in der Schule lernen, aber wie es aussieht stimmen die Gerüchte, dass sie das nur schriftlich tun. Selbst jene die sich mittels Englisch an uns wenden verstehen meist nach einem Satz unsererseits kein Wort mehr und suchen (meist per Telefon)  nach dem Kollgen/in mit entsprechender Fachkenntnis. 
Am meisten Glück hat man in Geschäften. Verkäuferinnen, die etwas an den Mann bringen wollen, können dann doch Englisch, sowie die Managementetage, Bosse, etc. Diese verständigen sich fast mühelos mit ihrere chinesischen Grammatik auf Englisch. Oft fehlen jegliche Präpositionen, Artikel, Zeitformen, Grammatik halt und bei manchen hat man das Gefühl sie reden noch Chinesisch, da die Aussprache anscheinend das größte Problem ist. Auch von der Grammatik her muss man eigentlich nachsichtig sein, denn wer eine quasi grammatikarme Sprache gelernt hat à la "Du gut?" "Ich nicht gut. Ich Hunger!", für den ist es natürlich schwierig. Wenn man Chinesen trifft, die verständliches Englisch sprechen, dann ist man doch enorm überrascht wie an einem Morgen, wo wir als wir in den Fahrstuhl stiegen mit einem fröhlichen "Hello!" begrüßt wurden (und das in Fangzhuang). Der Chinese war auch gleich ganz wild darauf, uns seine Englischkenntnisse zu präsentieren und erzählte uns gleich, dass er drei Jahre in Griechenland gelebt hätte und nächste Woche geschäftlich in Germany, genauer in "Duseldoof" sei. 

Zurück zu den unzähligen Verkäuferinnen, die die Ladenflächen bevölkern und wartend in den Geschäften auf Kunden lauern. In vielen Geschäften fühlten wir uns am Anfang ungewollt übermannt, da ein immer mehrere Augenpaare verfolgen, mittlerweile haben wir uns daran gewöhnt und genießen den oft sehr zuvorkommenden Service (im Vergleich zu Berlin). Anders in den Touristenmärkten die in manchen Reiseführen (ja leider auch in unseren) stehen, dort wird man von den Verkäuferinnen, die auf winzigen Verkaufsflächen häufig umzingelt von ihrere eigenen Ware, angebrüllt sogar körperlich festgehalten damit man ja was kauft. Das man dort oft übers Ohr gehauen wird, kommt erschwerend hinzu. So habe ich mir Schuhe gekauft und leider erst am nächsten Tag im Carrefour festgestellt, dass ich noch locker die Hälfte von den ohnehin schon erhandelten 33% vom Preis hätte sparen können. Gefälschte Pumas.

Chinesen schlafen wenn sie müssen, wo sie gerade sind egal in welcher Position. Die Landarbeiter legen sich für ihren Mittagsschlaf häufig auf die öffentlichen Bänke, 5 m entfernt von den 8 - 10 spurigen Hauptstraßen. Servicekräfte und Sicherheitsleute schlafen angelehnt, aufgestützt an den Stellen an denen sie eigentlich arbeiten sollen. So hab ich schon erlebt, wie der Sercuritytyp am Sicherheitscheck der U-Bahn, anstatt auf den Bildschirm zu schauen, gemütlich dem erwähnten Nickerchen nachging. Haben wir überhaupt schon berichtet, dass hier bei jeder U-Bahnfahrt die Taschen durch den Securitycheck müssen wie am Flughafen? An jeder U-Bahnstation!

Im Schlafanzug shoppen gehört auch zu den Merkwürdigkeiten der hiesigen Bevölkerung. Nach dem Motto: 'warum so ein schicken Schlafanzug haben, wenn ihn keiner sieht' werden hier die morgendlichen bzw. abendlichen Einkäufe in der Umgebung getätigt. 

Samstag, 16. Oktober 2010

Morgenappell

Morgens muss das Personal von Restaurant und Geschäften vor dem Eingang stramm stehen und wird wie beim Militär auf Chinesisch angebrüllt (vermutlich den besten Service der Stadt zu bieten). Diese Friseure hier stehen allerdings nicht so ordentlich vor ihrem Laoban (so heißt hier der Chef) wie andere Servicekräfte, die wir bereits beobachtet haben. Das geht besser! Alle dieser Angestellten arbeiten übrigens in einem ca. 15m2 großen Frieur-Salon. Wie das geht wissen wir auch nicht, aber es ist wieder ein schönes Beispiel für die Masse an Verkäufern, Kellnern etc., die einen überall gleich anspringen. Willkommen im Kommunismus. Wo es in Deutschland eine Fachverkäuferin gibt, gibt es hier gleich 10 kleine Chinesinnen, die Dir alles zeigen, bringen und verkaufen wollen und es ist ziemlich normal im Restaurant seinen eigenen Kellner zu haben. 


Gesicht bewahren in China

Ein wichtiger Teil der chinesischen Alltagskultur ist  das Verhindern des Verlierens des Gesichts. Das betrifft nicht nur das eigene sondern auch das Gesicht von Geschäftspartnern, Bekannten und Freunden. Jemanden in China bloß zu stellen oder dazu beizutragen, dass das Gegenüber in eine peinliche Situation gerät, muss also verhindert werden.  Für uns Deutsche, die mit solchen Situationen gut leben können, ist das manchmal sehr verwunderlich.

Wie sieht das Verhindern des Gesichtsverlierens in der Praxis aus? Zum Beispiel waren wir mit Chinesen essen. Noch ganz durchgefroren von der Wanderung freute ich mich im Restaurant auf die Kanne grünen Tee.  Auf dem Tisch erwartete uns das hier übliche in Plastik eingeschweißte Ess-Set bestehend aus einem Teller, einer kleinen Suppenschüssel mit Löffel und zwei Bechern- einem großen und einem kleinen (bestimmte Unternehmen holen das schmutzige Geschirr in den Restaurants ab, waschen es und schweißen es in Plastik wieder ein, um es an die Restaurants auszuliefern. )

Also goss ich mir den Tee in den großen Becher ein, wurde aber daraufhin gleich von C.s deutschem Chef darauf hingewiesen, dass ich meinen Tee soeben in den Bierbecher gegossen hatte. Für den Tee ist nämlich der kleine Becher bestimmt. Das weiß hier jedes Kind. Aber was taten die Chinesen? Jeder griff nach der Teekanne und goss sich an diesem Tag den Tee ins Bierglas ein. Damit hatten sie mein Gesicht gewahrt und hätte mich der Deutsche nicht aufgeklärt, hätte ich nie gemerkt, dass ich in einer peinlichen Situation war. Das Bier wurde übrigens später aus der Flasche getrunken. 


Jeder will ein Bild mit Mao...

...oder mit uns. Wir haben dann mal zurück fotografiert.




Geschäfte auf dem Platz des Himmlischen Friedens

Chinesische Kinder machen ihr Geschäft überall. Ständig sieht man sie sich hinhocken, ob über Gullis und einfach am Straßenrand und los geht’s (mit oder ohne praktischer Kackschlitzhose). Selbst berühmte fast heilige Plätze wie der Platz des Himmlischen Friedens hindern Eltern und Kind nicht daran es auch hier zu tun (quasi unter Maos strengem Blick).

Dienstag, 12. Oktober 2010

Inkognito in Peking

Wie bereits geschrieben ist gerade sehr schoenes Wetter und da bietet es sich sofort an, die Sonnenbrille aufzusetzen, um sich inkognito in Peking bewegen zu koennen (geht aber nur mit braunen oder schwarzen glatten Haaren und bis zu einer gewissen Koerpergroesse). Kaum hat man eine Sonnenbrille auf, ist man Chinesin. Man wird ploetzlich nicht mehr beobachtet und angestarrt und bekommt sogar die Flyer von Restaurants in die Hand gedrueckt, die Europaern von den Flyerverteilern sonst immer vorenthalten werden. Auch die Kartenverkaeuferin im Bus, die einen sonst schon immer argwoehnisch beim Einsteigen anschaut (irgendetwas wird der westliche  Mensch ja sicher falsch machen und man muss es ihm dann wieder mit Haenden und Fuessen erklaeren) nimmt keine weitere Notiz von einem.

Allerdings habe ich inzwischen gelernt, dass es ein paar Sachen zu beachten gilt, um nicht doch "unangenehm westlich" aufzufallen trotz Sonnenbrillentarnung. Beim ersten Ausflug mit Sonnenbrille, habe ich mich gleich mal neben den Landarbeiter aufs Maeuerchen in die Sonne gesetzt, um auf den Bus zu warten und dabei gleich zwei Dinge falsch gemacht. 1. eine Stadtchinesin setzt sich niemals einfach so auf irgendwelche Maeuerchen. Sie legt wenn ueberhaupt vorher ein Taschentuch oder eine Tuete dort hin, auf die sie sich setzen wird. (Verstehe ich immer noch nicht, denn andererseits gehen sie auf die verdrecktesten stinkenden Stehtoiletten, die ich jemals gesehen habe.) 2. Eine Chinesin setzt sich niemals einfach so in die Sonne. Das Schoenheitsideal ist hier eine weisse Haut, weswegen auch sogenannte Whitener das meistverkaufte Schoenheitsprodukt in China sind. (Selbst unser Mitbewohner hatte eine solche Creme, gilt also auch fuer Maenner.) 

Man stellt sich also besser in den Schatten, tippt wild auf seinem Handy rum (oder brüllt die ganze Zeit "wei wei wei" in sein Telefon) und traegt am besten T-Shirts, auf denen irgendein niedliches Tier, Monster etc. mit grossen Augen ist (hauptsache etwas, was einen anguckt).

Freitag, 8. Oktober 2010

Fitnessstudio

In Beijing gibt es zahlreiche "Open-Air-Fitessstudios", die auf den ersten Blick wie Kinderspielplätze aussehen und auf denen morgens uns abends großer Andrang herrscht.

Die Topfpflanze von Ikea

Zwischen all den Plastikpflanzen haben wir bei Ikea eine echte gefunden und diese gekauft. Auf dem Nachhausweg wurde zum ersten Mal nicht mehr wir von den Chinesen angestarrt, sondern die Topfpflanze. Schon beim Warten auf das Taxi zur U-Bahn fasste eine Chinesin in einem ungesehenen Moment in die Pflanze. Auch in der Bahn und später im Bus waren alle Augen auf die Pflanze gerichtet und besonders die alten Frauen haben sie ganz liebevoll angelächelt. Im Fahrstuhl später ging es weiter. Wir haben keine Ahnung welche Bedeutung Topfpflanzen in China haben, ob man so etwas hier nicht kennt oder ob es zu teuer ist. Man kann jedenfalls jedem Ausländer hier empfehlen, sollte er noch nicht genug Aufmerksamkeit bekommen, mit einer Topfpflanze durch die Stadt zu laufen. Große Augen, helle Haare und Topfpflanze in der Hand  ist der Garant für grenzenlose Aufmerksamkeit der Einheimischen. 

Abendliches Parktanzen

Wenn man abends durch die Parks oder über Plätze läuft, dann sieht man immer wieder Menschen, die tanzen. Irgendjemand kommt in einen Park, bringt seinen Kassettenrecorder mit und immer mehr Leute kommen dazu und tanzen zu chinesischer Musik scheinbar bekannte Tänze, die etwas wie Square-Dance aussehen.  Da die meisten Sportkleidung tragen, kommen sie wohl geplant zum Tanzen. Besonders ältere Frauen tanzen hier gerne mit. Wie auch zu allen mögliche anderen Dingen, stellen wir uns auch hierzu wieder Fragen: Sind diese Menschen miteinander zum Tanzen verabredet? Kann man einfach in den Park gehen, seinen Kassettenrecorder anschmeißen und andere Leute fangen an mitzutanzen? Sind das Volkstänze oder ist das chinesische Aerobic?

Kinderleine

Ein weiterer interessanter Kindertrend ist die Kinderleine (wenn die Kinder aus dem Kackschlitzhosenalter heraus sind). Mit dieser scheint sich verhindern zu lassen, dass man sein Kind in großen Menschenmengen verliert. 

Kackschlitzhosen


Immer wieder gesehen und zwei Mal gelang es uns ein Foto zu machen. Wenn das Kind zur Tat schreitet, wird es schnell über einen Gulli gehalten. Bei unserem Zoobesuch konnten wir ein großes Geschäft sogar live verfolgen (allerdings gab es keine Gullis sondern nur den Gehweg). Wir stellen uns folgende Fragen: Wie merken Eltern, dass sie jetzt den nächsten Gulli aufsuchen müssen und ist das Kind nicht bereits trocken und braucht die Kackschlitzhose nicht mehr, wenn es anzeigen kann, dass es gleich passiert? Was ist im Winter? Und wieso sieht man keine kleinen Mädchen mit einer solchen Hose (dass es sich um Jungen handelt ist ja leicht zu erkennen)?