Nach 2 Wochen extremen Smog, der übrigens alle bisher existierenden Smogskalen gesprengt hat, verwundert es nicht, dass man plötzlich krank wird. (Die amerikanische Botschaft, einziger Besitzer einer unabhängigen Wetterstation in der Stadt, twitterte nur noch: "Beijing air quality is crazy bad today".)
Sobald ein Chinese krank wird, macht er "xiuxi", das heisst, er bleibt Zuhause und ruht sich aus. Dazu gibt es etwas chinesische Medizin. Diese wird hier in der Tat von vielen der westlichen Medizin vorgezogen, die zwar als schnell, aber nicht langfristig wirksam angesehen wird. Wenn es meiner Chinesischlehrerin nicht gut geht, dann isst sie zum Beispiel ein blaues Ei. Solch ein Ei hat sie immer in ihrer Handtasche und es kostet unglaubliche 500 Yuan, was ungefähr 50 Euro entspricht. Isst man das Ei, verdünnt sich das Blut und es geht einem besser, sagt sie. Y. hingegen hat eine Medizin mit Schlangenextrakt, die einem schnell wieder auf die Beine helfen soll.
Schon am beliebten Mundschutz sieht man, dass chinesische Menschen generell große Angst vor Krankheiten zu haben scheinen (besonders vor ausländischen Keimen). Wenn man hustet, dann passiert es nicht selten, dass jemand neben einem im Bus aufsteht und sich woanders hinsetzt oder Mütter ihre Kinder auf der Straße von einem wegziehen. Auf der Arbeit muss man alle 10 Minuten auf die Toilette gehen, um sich die Nase zu putzen, denn das Nasenputzgeräusch wird hier als so eklig empfunden wie bei uns öffentliches Pupsen. Nach 2 Tagen Behandlung wie eine Aussätzige und Marathonläufen zwischen Naseputzen auf der Toilette und Schreibtisch ist nun endlich Wochenende und damit auch für mich "xiuxi" angesagt.
Freitag, 3. Dezember 2010
Mittwoch, 1. Dezember 2010
Straßenküche
Was sind die Pekinger Alternativen zum Döner? Chinanudeln? Nein, gibt’s hier nirgendwo auf der Straße zu kaufen. Hier ein kurzer kulinarischer Stadtführer.
Süßkartoffeln aus dem dreirädrigen Ofen. Es riecht nicht schlecht, scheint aber eine ziemlich trockene Angelegenheit zu sein. Wenn der Smog zu schlimm wird, sollte man sich an der Bushaltestelle immer neben einen solchen gutriechenden Ofen stellen.
Der Trinkjoghurt to go ist eigentlich ganz lecker, aber wir trauen uns nicht mehr an ihn ran, da er mit Vorliebe vor dem Verkauf viele Stunden oder auch Tage in der prallen Sonne gelagert wird.
Verbrannte Fleisch- und Eingeweidepieße mit brauner Soße sind das liebste Abendessen der Bewohner Fangzhuangs. Schon beim Geruch wird einem schlecht.
Kandierte Fruchtspieße
Verbrannte Maiskolben
Zuckerwatte ist neben Popcorn und Fruchtspießen die dritte Sachen, die chinesische Kinder unbedingt haben wollen.
Pekingopern
Zu Pekingopern kann man eigentlich nur eines sagen: sie tun für westliche Menschen einfach nur in den Ohren weh. Eine solche Veranstaltung dauert mehrere Stunden und wird von einem eher älteren chinesischen Publikum verfolgt, wobei in einer richtigen Pekingoper nebenbei telefonieren, sich unterhalten, essen und trinken gar kein Problem ist und irgendwie auch dazu gehört.
Viel besser war dieser Typ hier, den wir vor ein paar Wochen in einer Veranstaltung gesehen haben. In der Shanghaier Oper gibt es eine Figur, die beim Tanzen ständig in Sekundenbruchteilen auf geheimnisvolle Art die Maske wechselt.
Sonntag, 28. November 2010
More Shanghai
Überall in Shanghai versucht man Touristen das hässliche Expo-Masskotchen zu verkaufen, das jetzt nach der Expo niemand mehr haben will. Irgendwie erinnert es an eine Zahnpasta-Werbung.
Blumenkohl als Grünstreifenbepflanzung.
Shanghai ist viel deutscher als Peking. Hier nur ein Beweis.
Der spacige Shanghaier Fernsehturm. Würde sich sehr gut in Berlin machen.
Öffentliche Teewasser-Refill-Station im Park.
Wieder ein Kind, das uns erst angsterfüllt anstarrte und danach beim Anblick der unheimlichen europäischen Augen in Tränen ausbrach.
Samstag, 27. November 2010
Haarige Krabbe
In Deutschland gibt es die Erdbeerzeit und die Spargelzeit, hier gibt es die Zeit der haarigen Krabbe. Pünktlich zum Herbstbeginn beginnt ihre Saison und jeder möchte sie essen. Ob mit oder ohne Haaren haben wir nicht nicht herausgefunden. Bevor sie unter die Stäbchen kommt, wird sie in Ingwer geschmort. Besonders Shanghai ist verrückt danach. Dort liebt man die haarige Krabbe so sehr, dass in der Stadt riesige haarige Pappkrabben aufgebaut werden.
Das Seeohr
In Shanghai haben wir es lebendig gesehen: das Seeohr! Eine der teuersten Spezialitäten, die man hier essen kann. Hierfür zahlt der Gourmet-Chinese hundert Euro pro Stück. Im Internet lernt man, dass sein Geschmack nach Haselnüssen und Meer es so begehrt machen und man es entweder wie ein Steak klopft oder wie die Japaner in feine Streifen schneidet. Na dann guten Appetit.
Seeohrfamilie
Seeohr auf der Flucht
Weihnachtsmarkt!
Heute haben wir wieder deutschen Boden betreten. Nein, nicht in Deutschland sondern anlässlich des Deutschen Weihnachtsmarkts in der Deutschen Botschaft in Peking. Es ist schon seltsam plötzlich wieder so viel Deutsch zu hören, alles zu verstehen und von allen verstanden zu werden. Ein ganzes Jahr über organisieren mitgebrachte deutsche Ehefrauen hier einen Weihnachtsmarkt mit allem was dazu gehört - von Glühwein über Adventskränze bis hin zum (chinesischen) Posaunenchor. Vor allem ist der Weihnachtsmarkt eine einzige Werbeveranstaltung von in Peking ansässigen deutschen Unternehmen, die den ganzen Spaß sponsoren. Gleich nach der umfangreichen Personenkontrolle am Eingang begrüsste uns die "VW Currywurst". Weiter ging es mit dem "Siemens Glühwein"-Stand und dem Verkauf der bekannten "Deutschen Außenhandelskammer Lebkuchenhäuser". Weiter hinten gab es dann das beliebte "Schenker Bier" und natürlich durfte auch Schindler, der Pekinger Wurstimperator nicht fehlen, dem der deutsche Supermarkt und mehrere deutsche Restaurants in der Stadt gehören - unter anderem "Schindlers Tankstelle", die ein uns besuchender Wiesbadener Waiguoren mal sehr treffend mit "Schindlers Gasstation" ins Englische übersetzte. (In diesem Zusammenhang müssen wir gleich mal einen indischen Restaurantbetreiber erwähnen, der uns letzte Woche zu unserem ehemaligen großen Feldherren beglückwünschte und sich auf seine Hand für uns ein Hakenkreuz malte, um uns zu zeigen, dass es das auch in der indischen Kultur mit ein paar Punkten mehr geben würde.)
Nach Kartoffelsalat mit Würstchen, dem Kauf von ein paar Pfannkuchen bei "Der Bäcker" und einem "Siemens Glühwein" ging es dann zurück ins unweihnachtliche China.
Nach Kartoffelsalat mit Würstchen, dem Kauf von ein paar Pfannkuchen bei "Der Bäcker" und einem "Siemens Glühwein" ging es dann zurück ins unweihnachtliche China.
Montag, 22. November 2010
Lehrstunde für die Deutsche Bahn
Letztes Wochenende ging es mit dem Nachtzug also nach Shanghai. Die Zuege fahren abends in Peking ab und sind dann ca. 9 Stunden spaeter im 1300 km suedlicheren Shanghai. Wie die meisten Dinge, ist auch das Bahnfahren in China anders- und zwar eindeutig besser!
Los ging es am Flughafen. Nein, das ist tatsaechlich ein Bahnhof.
Hier steigt man nicht ein, hier checkt man am Gate ein.
Unser ICE. Gleich drei Züge fahren im Abstand von 3 Minuten nach Shanghai ab.
Die Betten in den 4er Schlafabteile sind deutlicher breiter. In jedem Abteil gibt es einen Tisch und eine Kanne heisses Wasser fuer Tee. Jeder Passagier bekommt wie im Hotel ein paar eingeschweisste Hausschuhe, mit denen auch sofort alle Chinesen im Zug unterwegs waren. Natuerlich dazu im obligatorischen Schlafanzug. Die werden nicht nur gerne morgens auf der Strasse gezeigt.
Seidenkleiderbügel mit Schleifchen.
So saubere Zugtoiletten hat man in Deutschland noch nicht gesehen. Alle 30 Minuten wird hier geputzt. Jedes Bett hat einen eigenen Flachbildfernseher. Findet Nemo war sogar auf Chinesisch ganz unterhaltsam.
Jede Zugfahrt kann aber dann doch noch zum Horroserlebnis werden, wenn ein Schnarcher einsteigt. Und so musste es auf der Hinfahrt natuerlich passieren. Gegen vier Uhr morgens beginnt man langsam Mordfantasien zu entwickeln und freut sich bei jedem Atemaussetzer "Ja! Er ist endlich erstickt!". Gegen 5 Uhr morgens ist man einfach nur noch verzweifelt und ueberlegt wie man mit seinem Anfaengerchinesisch dem Schnarcher mitteilen koennte, dass man auch gerne schlafen wuerde und wie unhoeflich es im Land der Hoeflichkeit ist, einen wildfremden alten Mann einfach zu wecken. Gegen 6 Uhr morgens versucht man das alles als interkulturelle Erfahrung abzutun und startet den Tag um 7 Uhr morgens ohne nur eine Minute geschlafen zu haben. Die Rueckfahrt mit einem franzoesischen Studenten und einer hochschwangeren chinesischen Architektin verlief dafuer unglaublich leise.
24h warmes Wasser!
Urlaub von Fangzhuang mit einer Dusche, in der man so lange duschen kann wie man will, mit einer tollen Badewanne, einer einfach nach nichts riechenden Toilette und Frühstück auf dem Zimmer zu einem Preis, zu dem man in Deutschland ein Frühstück bei Mc Donalds bekommen würde.
Shanghai
Shanghai ist eine unglaubliche Stadt, bei der man auf der einen Flussseite denkt, in Paris zu sein und auf der anderen sich in die Kulisse eines Science-Fiction-Films verirrt zu haben. Shanghai ist wahrscheinlich durch die Kolonialgeschichte viel westlicher als Peking und es fehlt der ganze kommunistische Muff, den man doch irgendwie jeden Tag in Chinas Hauptstadt sieht und fuehlt. Und es ist viiiiiel waermer! Bei Fruehlingswetter Ende November starteten wir ganz touristisch mit einer Stadtrundfahrt und fotografierten uns danach vor der Skyline, die die chinesischen Touristen fast so spannend fanden wie uns. So mussten wir dann zahlreiche Fotos à la "Ich mit westlichem Auslaender und Shanghaier Skyline" ueber uns ergehen lassen. Auch die Anfrage, ob man denn mal ein Foto von uns beiden vor der Skyline machen koennte, wurde nicht verstanden. Stattdessen wurde die chinesische Ehefrau gleich neben uns gestellt und das mit unserer Kamera festgehalten.
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