Montag, 25. Oktober 2010

Kleine Sonne

Wir haben einen neuen Mitbewohner, der uns hilft die kalte Zeit bis die Regierung die Heizungen anstellt, zu ueberleben. Xiao Re ist von der chinesischen Qualitaetsmarke Midea, hat nur 100 Yuan gekostet und frisst riesige Mengen an Strom, was wir jeden Tag auf unserem Stromzaehler fasziniert beobachten koennen. Unser Stromverbrauch hat sich jetzt quasi verdreifacht- aber es ist warm (zumindest in einem Zimmer). Seit gestern ist nun aber auch das Raetsel um die Fernbedieung der Klimaanlage mit den chinesischen Zeichen geloest und wir wissen, wie man mit der Klimaanlage 30 Grad machen kann. Xiao Res Zeit scheint also schon vorbei zu sein (wenn es nach C. ginge). Inzwischen hat sich aber herausgestellt, dass man Xiao Re Dank der in Deutschland sicher verbotenen Verkleidung aus Metalldraehten (die naemlich so richtig heiss werden) auch als Toaster verwenden kann. 



Mittwoch, 20. Oktober 2010

Chinesen und Essen II



Essen ist eines der wichtigsten Themen hier. Man redet hier nicht übers Wetter sondern über das letzte Essen. Die Begrüßung am Mittag heißt auch übersetzt so viel wie "Hast Du schon gegessen?" Die Chinesen essen Mittag gegen 12 Uhr! Das ist ganz wichtig. Möchte man mit seinen Kollegen kurz nach Zwölf zum Mittag ist es sehr wahrscheinlich, dass in den nahe gelegenenden Restaurants alle Tische belegt sind. Zwar ist die Auswahl an Restaurant riesig, um sich aber unnötige Wege zu ersparen, gehen wir meist ab 12:30 zum Mittag, wenn sich die Lage dann auch schon wieder entspannt hat. Heute waren M. und ich aber zum Beispiel auch schon zu spät als wir um 14 Uhr essen wollten; es war bereit geschlossen. Gefunden haben wir kurze Zeit später etwas ganz in der Nähe und wie das hier so ist beim Bestellen und Essen, hatten wir mal wieder Unerwartetes auf dem Tisch; Dumplings süß gefüllt. Ein bisschen Überraschung ist es immer wenn man nur nach Bildern bestellen kann, oder Andere für einen bestellen. 

Im Allgemeinen haben die Nordchinesen ähnliche Zutaten wie wir. Sie machen viel mit Weizenmehl, Kohl, Fleisch und Gemüse, aber es kommen ganz andere Gerichte dabei raus. Das wichtigste Motto lautet: Das Tier wird von Kopf bis Fuß gegessen. Es gibt übrigens ein Sprichwort in China das heißt: Man kann alles essen, was fliegt, außer Flugzeuge. Man kann alles essen, was Beine hat, außer Tische und Stühle und man kann alles essen, was schwimmt, außer Schiffen. 
Meine persönlichen kulinarischen Neuheiten in den ersten 4 Wochen schließen ein : Entenfüße, Entenleber, Seegrasssalat, Frösche, Schafsfleisch, Kuhmagen, Fischhaut und Fischhautimitat, Melone mit scharfer Soße, Fruchtjelly, Lotuswurzel, fritiertes Schweinefett, Schweineohr gekocht ... Highlights, die man auf Speisekarten sieht, aber noch einen Bogen um sie macht sind z.B. Penis süß-sauer, Seegurke oder auch Bambuswürmer. 

Der Chinese an sich
Der Versuch einer Erklärung, die in vielen Fragen endet.




Chinesen haben doch einige Besonderheiten, die wir in den letzten Wochen festellten und nun euch in unserer geballten Fassung vorlegen möchten. 
Natürlich sind das subjektive Eindrücke und sollte je ein Chinese diesen Blog lesen - und verstehen- nehmt es mit Humor. 
Zuerst zu Äußeren: Chinesen, die hier hier in Nordchina leben sind größer als erwartet. Eigentlich nicht kleiner als die Deutschen, dennoch sind leider die Busse wohl für Südchinesen gebaut worden. 

Chinesen sind im Umgang mit Englisch sehr zögerlich, wir haben zwar gehört, dass sie dies alles in der Schule lernen, aber wie es aussieht stimmen die Gerüchte, dass sie das nur schriftlich tun. Selbst jene die sich mittels Englisch an uns wenden verstehen meist nach einem Satz unsererseits kein Wort mehr und suchen (meist per Telefon)  nach dem Kollgen/in mit entsprechender Fachkenntnis. 
Am meisten Glück hat man in Geschäften. Verkäuferinnen, die etwas an den Mann bringen wollen, können dann doch Englisch, sowie die Managementetage, Bosse, etc. Diese verständigen sich fast mühelos mit ihrere chinesischen Grammatik auf Englisch. Oft fehlen jegliche Präpositionen, Artikel, Zeitformen, Grammatik halt und bei manchen hat man das Gefühl sie reden noch Chinesisch, da die Aussprache anscheinend das größte Problem ist. Auch von der Grammatik her muss man eigentlich nachsichtig sein, denn wer eine quasi grammatikarme Sprache gelernt hat à la "Du gut?" "Ich nicht gut. Ich Hunger!", für den ist es natürlich schwierig. Wenn man Chinesen trifft, die verständliches Englisch sprechen, dann ist man doch enorm überrascht wie an einem Morgen, wo wir als wir in den Fahrstuhl stiegen mit einem fröhlichen "Hello!" begrüßt wurden (und das in Fangzhuang). Der Chinese war auch gleich ganz wild darauf, uns seine Englischkenntnisse zu präsentieren und erzählte uns gleich, dass er drei Jahre in Griechenland gelebt hätte und nächste Woche geschäftlich in Germany, genauer in "Duseldoof" sei. 

Zurück zu den unzähligen Verkäuferinnen, die die Ladenflächen bevölkern und wartend in den Geschäften auf Kunden lauern. In vielen Geschäften fühlten wir uns am Anfang ungewollt übermannt, da ein immer mehrere Augenpaare verfolgen, mittlerweile haben wir uns daran gewöhnt und genießen den oft sehr zuvorkommenden Service (im Vergleich zu Berlin). Anders in den Touristenmärkten die in manchen Reiseführen (ja leider auch in unseren) stehen, dort wird man von den Verkäuferinnen, die auf winzigen Verkaufsflächen häufig umzingelt von ihrere eigenen Ware, angebrüllt sogar körperlich festgehalten damit man ja was kauft. Das man dort oft übers Ohr gehauen wird, kommt erschwerend hinzu. So habe ich mir Schuhe gekauft und leider erst am nächsten Tag im Carrefour festgestellt, dass ich noch locker die Hälfte von den ohnehin schon erhandelten 33% vom Preis hätte sparen können. Gefälschte Pumas.

Chinesen schlafen wenn sie müssen, wo sie gerade sind egal in welcher Position. Die Landarbeiter legen sich für ihren Mittagsschlaf häufig auf die öffentlichen Bänke, 5 m entfernt von den 8 - 10 spurigen Hauptstraßen. Servicekräfte und Sicherheitsleute schlafen angelehnt, aufgestützt an den Stellen an denen sie eigentlich arbeiten sollen. So hab ich schon erlebt, wie der Sercuritytyp am Sicherheitscheck der U-Bahn, anstatt auf den Bildschirm zu schauen, gemütlich dem erwähnten Nickerchen nachging. Haben wir überhaupt schon berichtet, dass hier bei jeder U-Bahnfahrt die Taschen durch den Securitycheck müssen wie am Flughafen? An jeder U-Bahnstation!

Im Schlafanzug shoppen gehört auch zu den Merkwürdigkeiten der hiesigen Bevölkerung. Nach dem Motto: 'warum so ein schicken Schlafanzug haben, wenn ihn keiner sieht' werden hier die morgendlichen bzw. abendlichen Einkäufe in der Umgebung getätigt. 

Samstag, 16. Oktober 2010

Kalt

Auch wenn es tagsüber noch schön warm ist, sind die Nächte wirklich kalt. Unsere Wohnung liegt leider auch noch zur Nordseite und es ist hier nun so kalt, dass man einen Wollpulli braucht. Es ist fast so kalt wie draußen nur ohne Wind. Die Idee eine Wärmflasche mitzunehmen, war bisher eine der besten überhaupt. In Peking werden die Heizungen je nach Wohnviertel erst im späten Herbst angeschaltet. In Fangzhuang wird das der 15. November sein. Noch vier Wochen... Leider kann man sich auch unter der Dusche nicht wirklich aufwärmen, denn nach ca. 5 Minuten ist der vorgeheizte Boiler leer und das Wasser kalt. Aus dem Bedürfnis heraus endlich mal so lange zu duschen wie man möchte und sich einfach mal richtig aufwärmen zu können, haben wir gestern Abend eine Hotel-Spa-Besichtungstour gemacht auf der Suche nach einer Sauna und 24-Std. heißem Wasser zu einem angemessenen Preis. Doch leider wollten die Hotels ihre Saunen nicht unter 25 Euro an Nicht-Hotelgäste hergeben. Saunen sind hier in China nicht üblich, ebenso selten findet man öffentliche Schwimmbäder. Bleiben nur die Hotels. Als ich der chinesischen Spa-Frau auf der einen Besichtigung erzählt habe, dass Mann und Frau sich in Deutschland die Sauna teilen, hat sie ganz entsetzt mit den Augen gerollt. Noch sind 25 Euro gefühlt zu viel. Mal sehen wie wir das in zwei Wochen sehen...

Morgenappell

Morgens muss das Personal von Restaurant und Geschäften vor dem Eingang stramm stehen und wird wie beim Militär auf Chinesisch angebrüllt (vermutlich den besten Service der Stadt zu bieten). Diese Friseure hier stehen allerdings nicht so ordentlich vor ihrem Laoban (so heißt hier der Chef) wie andere Servicekräfte, die wir bereits beobachtet haben. Das geht besser! Alle dieser Angestellten arbeiten übrigens in einem ca. 15m2 großen Frieur-Salon. Wie das geht wissen wir auch nicht, aber es ist wieder ein schönes Beispiel für die Masse an Verkäufern, Kellnern etc., die einen überall gleich anspringen. Willkommen im Kommunismus. Wo es in Deutschland eine Fachverkäuferin gibt, gibt es hier gleich 10 kleine Chinesinnen, die Dir alles zeigen, bringen und verkaufen wollen und es ist ziemlich normal im Restaurant seinen eigenen Kellner zu haben. 


Gesicht bewahren in China

Ein wichtiger Teil der chinesischen Alltagskultur ist  das Verhindern des Verlierens des Gesichts. Das betrifft nicht nur das eigene sondern auch das Gesicht von Geschäftspartnern, Bekannten und Freunden. Jemanden in China bloß zu stellen oder dazu beizutragen, dass das Gegenüber in eine peinliche Situation gerät, muss also verhindert werden.  Für uns Deutsche, die mit solchen Situationen gut leben können, ist das manchmal sehr verwunderlich.

Wie sieht das Verhindern des Gesichtsverlierens in der Praxis aus? Zum Beispiel waren wir mit Chinesen essen. Noch ganz durchgefroren von der Wanderung freute ich mich im Restaurant auf die Kanne grünen Tee.  Auf dem Tisch erwartete uns das hier übliche in Plastik eingeschweißte Ess-Set bestehend aus einem Teller, einer kleinen Suppenschüssel mit Löffel und zwei Bechern- einem großen und einem kleinen (bestimmte Unternehmen holen das schmutzige Geschirr in den Restaurants ab, waschen es und schweißen es in Plastik wieder ein, um es an die Restaurants auszuliefern. )

Also goss ich mir den Tee in den großen Becher ein, wurde aber daraufhin gleich von C.s deutschem Chef darauf hingewiesen, dass ich meinen Tee soeben in den Bierbecher gegossen hatte. Für den Tee ist nämlich der kleine Becher bestimmt. Das weiß hier jedes Kind. Aber was taten die Chinesen? Jeder griff nach der Teekanne und goss sich an diesem Tag den Tee ins Bierglas ein. Damit hatten sie mein Gesicht gewahrt und hätte mich der Deutsche nicht aufgeklärt, hätte ich nie gemerkt, dass ich in einer peinlichen Situation war. Das Bier wurde übrigens später aus der Flasche getrunken. 


Jeder will ein Bild mit Mao...

...oder mit uns. Wir haben dann mal zurück fotografiert.




Mysteriöser Miniapfel

Liebe Mamas, Omas und andere pflanzenkundige Menschen: Was ist das? Es ist klein, grün oder braun und schmeckt wie ein Apfel hat aber einen Kern (und es macht Bauchschmerzen- wird es deshalb vielleicht bei uns nicht gegessen?). Diese Früchte werden hier gerade massenweise verkauft. 

8 Euro

Für arme Stundete ist das Leben in Chinas Hauptstadt ein Traum. Für 8 Euro bekommt man in Beijing z.B. ein wunderschönes vollständiges Kalligrafieset mit Pinseln, verzierten Tuschesteinen , einem Stempel aus echter Jade, Wasserschälchen, Papier und zusätzlicher roter Tusche in einem verzierten Stoffkasten (gekauft in einem Werkstatt für Kalligrafiebedarf in einer alten Hutonggasse.)

ODER Eine Rückenmassage (30min. ) plus Fußmassage (30 min.) plus Maniküre (30 min.) bei Lily’s Nails in Chaoyang.

ODER einen Cocktail in der Rooftopbar des Grand Hyatt Hotels im Central Business District im 65. Stock mit toller Aussicht (inklusive dem schönsten chinesischen Cecor= WC, das wir in den letzten Wochen gesehen haben, das für alle gelb, braun und rot gesprenkelten Stehtoiletten entschädigt.)


ODER ein üppiges leckeres Essen für 3 Leute in einem normalen Restaurant in Fangzhuang. 



Good to know